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Die 12 Schlachten und/oder Campagnen
der Army of the Cumberland

mit Berichten (original, auf Englisch)
Korrektur durch Uwe Gaukel

Für den Fall, daß Ihnen meine Schlachtzusammenfassungen nicht gefallen und, auf jeden Fall, wenn Sie sich mit dem Zeug in den gängigen Geschichtsbüchern nicht zufrieden geben wollen, dann lesen Sie die Originalberichte der Hauptbefehlshaber und bilden Sie sich die eigene Meinung. Auch mit den Berichten ist Vorsicht geboten, weil die Verfasser entweder eigene Fehlleistungen vertuschen wollten, oder die Untergebenen bzw. den eigenen Vorgesetzten nicht allzusehr beleidigen wollten. Trotzdem sind diese Berichte eine der besten Quellen, um daraus ein möglichst genaues Bild der Geschehnisse zu machen, mindestens für diejenigen, die die Kunst des zwischen-den-Zeilen-Lesens beherrschen. Üben Sie diese Kunst bei der Lektüre dieser Berichte, oder auch von anderem Geschriebenen, da sie nützlich bei der Annäherung an die Wahrheit sein kann. 


BERICHTE DER WICHTIGSTEN  BEFEHLSHABER

Für eine Zusammenfassung auf  Schlachtbezeichnung klicken, für Terminologie (auf Englisch) auf Order of Battle.
Wer sich für eine ausführlichere Behandlung dieser Themen mit Karten interessiert, soll meine englische Fassung lesen.
1. Mill Springs
     19 Jan. 62
1. Thomas US
2. Buell US
3. G.B. Crittenden CS


Karte des westlichen Theaters
2. Shiloh und Corinth I
  6-7 Apr. / 29 Apr. - 10 Juni 62
1. Halleck US
2. Grant US
3. Buell US
4. Sherman US
5. Beauregard CS
6. Bragg CS
3. Iuka und Corinth II
     19 Sept. / 3-4 Okt. 62
1. Rosecrans US Iuka
2. Rosecrans US Corinth
3. Grant US Corinth und Iuka
4. Price CS Iuka
5. Van Dorn CS Corinth
4. Perryville
     8 Okt. 62
1. Buell US
2. Buell vor Militärgericht, Urteil
3. Thomas US Zeugenaussage
4. Bragg CS 

5. Murfreesboro (Stones River)
     31 Dez. 62 - 2 Jan. 63
1. Rosecrans US
2. Thomas US
3. Dodge US
4. Bragg CS 
5. Cleburne CS

6. Tullahoma Kampagne
     23 - 29 Juni 63
1. Rosecrans US
2. Thomas US
3. WilderUS
4. Bragg CS
5. Polk CS
6. Cleburne CS
7. Chickamauga
     19 - 20 Sept. 63
1. Rosecrans US
2. Thomas US
3. Wood US
4. Parkhurst US Feldgendarmerie
5. Dana US
6. Bragg CS
7. Longstreet CS
8. Polk CS
9. Cleburne CS
8. Chattanooga
     23 - 25 Nov. 63
1. Thomas US
2. Grant US
3. Hooker US
4. Sherman US
5. Osterhaus US
6. Willich US
7. Halleck US
8. Bragg CS
9. Cleburne CS
10. Stewart CS
11. Fullerton US B&L Artikel
12. Opposing forces  US, CS
9. Dalton bis Atlanta
     7 May - 16 Juli 64
1. Thomas US
2. Grant US
3. Sherman US
4. Howard US
5. J. Johnston CS
7. Cleburne CS

10. Schlachten um Atlanta
        17 Juli - 2 Sept. 64
1. ThomasUS
2. Grant US
3. Sherman US
6. Hood CS plus Korrespondenz
11. Franklin und Nashville
        30 Nov.  / 15 - 16 Dez. 64
1. Thomas US
2. Steedman US
3. Wilson US
4. Shafter US
5. Morgan US
6. Hood CS
12. Wilsons Selma-Einfall
        22 März - 22 Apr. 65
1. Thomas US
2. Wilson US - Einfall nach Selma plus Gefangenahme von Davis
3. Forrest CS - Chalmers Ansprache

Robert T. Redman Copyright © Sept. 2000...
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1. Die Schlacht von Mill Springs 19 Jan. 1862

Die Schlacht von Mill Springs, Ky. war der erste wichtige Sieg für die Union im US-Bürgerkrieg. Sie war Teil des Kampfes um die Kontrolle über den Cumberland Gap an der fernen östlichen Flanke von dem konföderierten Western Theater, das vom Appallachengebirge bis zum Mississippi-Fluß reichte. Der Cumberland Gap war der Hauptpaß in diesen Bergen zwischen Kentucky und East Tennessee. Dieses Gebiet, reich an Salz und Mineralien, war für die südliche Kriegführung notwendig. Ferner war die Bevölkerung von East Tennessee weitgehend unionsfreundlich, und Jefferson Davis war entschlossen zu verhindern, daß es wiederum aus der Konföderation ausschied (gefährlicher Präzedenzfall).

Der Oberbefehlshaber für dieses Kriegstheater war Albert Sydney Johnston, der anfangs sehr wenige Truppen hatte, um sich in diesem ungeheuer großen Gebiet zu behaupten. Kentucky wurde aus seiner Position der Neutralität in die Lage einer angefochtenen Besetzung verdrängt, als der konföderierte Gen. Leonidas Polk eigenmächtig Columbus, Ky. am Mississippi-Fluß am 4. Sept. 1861 eroberte. Die Föderalen waren froh, dies als Vorwand benutzen zu können und besetzte ihrerseits Louisville, Ky. Am Anfang herrschte auf beiden Seiten Konfusion, Großtuerei und Propaganda. Allmählich nahm der Streit um Kentucky und Tennesse die Konturen mit den uns nunmehr vertrauten Führern und Belegschaften an, die unter sich dann den Ausgang des US-Bürgerkrieges eigentlich entschieden

Ende Nov. 61 nahm der konföderierte General Felix Zollicofer seine Stellung in der Nähe von Mill Springs ein. Er wollte den Zugang zu dem Cumberland Gap schützen, der etwa 100 km südöstlich vom ihm lag. Obwohl Zollicofer bis dahin viel Mut und Initiative gezeigt hatte, machte er hier einen kapitalen Fehler, indem er sich auf dem Nordufer des Cumberland-Flusses etablierte, und zwar mit dem Rücken zum Fluß. Als der konföderierte Gen. George Crittenden (Bruder vom dem Unionsgeneral Thomas Crittenden) den Befehl von diesem Teilgebiet übernahm, befahl er Zollicofer, sich sofort auf den südlichen Ufer zu begeben. Als Crittenden jedoch in Mill Springs ankam, entdeckte er, daß Zollicofer dem Befehl nicht gehorcht hatte. Da Thomas bereits am Zumarsch war, hatte Crittenden keine Zeit mehr, um den Fehler zu berichtigen. Er entschied sich deshalb für einen präventiven Angriff, bevor sich Thomas konzentrieren konnte. Beide Seiten hatten etwa 4000 Effektive.

Es ging los bei treibendem Regen am frühen Morgen des 19. Jan. 1862. Crittenden wollte Thomas überraschen, aber Thomas hatte etliche Linien mit Wachtposten vorgeschoben, und es war unmöglich, ihn zu überraschen (eine Kleinigkeit, die später das Leben sehr vieler Unionssoldaten zu Shiloh gerettet hätte).

Zudem hatte Crittenden das Pech, daß seine Truppen mit primitiven Büchsen ausgerüstet waren, die im Regen schlecht funktionierten. Die Schlacht degenerierte schnell in ein Durcheinander zwischen zerstreuten Einheiten. Zollicofer verlor die Orientierung, geriet zwischen die undeutlichen Fronten, und wurde erschossen. Er trug einen weißen Regenmantel, der die Aufmerksamkeit der nördlichen Schützen auf ihn lenkte. Daraufhin traten einige seiner Soldaten die Flucht an, aber Crittenden gelang es, wieder Ordnung herzustellen.

Während Thomas' Mitte die Konföderierten hielte, lancierte er einen Angriff gegen Crittendens linke Flanke und vernichtete sie. Das brach die ganze Linie auf, die in Panik nach hinten flüchtete. An dem Abend überquerten die Reste von Crittendens Armee den Cumberland-Fluß, indem viel schwere Ausrüstung zurückgelassen wurde. Thomas meldete 246 Verluste (39 Tote, 207 Verwundete), Crittenden hat keinen Bericht eingereicht. Er wurde seines Kommandos enthoben unter Gerede, daß er betrunken gewesen wäre. Er übte keine militärische Rolle mehr im Bürgerkrieg aus.

Als Folge von dieser kleinen Schlacht fing die ganze Linie von A.S. Johnston auseinanderzufallen. Fort Donelson war dadurch flankiert und eigentlich unhaltbar. Drei Wochen später, als Grant dort seinen improvisierten Angriff austrug, hat dieser Zustand sicher das unschlüssige Verhalten der konföderierten Befehlshaber in Fort Donelson, nämlich Pillow, Floyd und Buckner, beeinflußt. Pillow reichte das Kommando an Floyd, Floyd reichte das Kommando an Buckner (beide flüchteten), und Buckner blieb, um den Fort mit Belegschaft aufzugeben. Allein Forrest verhielt sich kämpferisch und entkam mit seinen 5000 Soldaten durch die Sümpfe.

Keinen Sieg zu Mill Springs, keinen Sieg zu Ft. Donelson, aber die Geschichtsschreibung übersieht meistens diesen Umstand.


2. Die Schlacht von Shiloh 6-7 April und die Corinth-Kampagne von Halleck 29 April - 10 Juni 1862

Eine der traurigsten Affären des amerikanischen Bürgerkriegs war die Schlacht von Shiloh. Sicher gab es nachher andere Schlachten mit hohen Verlusten und verpaßten Chancen, aber bei Shiloh war der Grundfehler so offensichtlich, der Union-Befehlshaber hatte solches Glück, und seine Ausreden für die Verluste waren so weit hergeholt, daß diese Schlacht mehr kritische Aufmerksamkeit verdient, als ihr normalerweise zuteil wird.

Die Ausgangslage: Im befestigten Corinth lag die konföderierte Army of Mississippi unter Albert S. Johnston und Beauregard. Dreißig km entfernt, bei Pittsburg Landing am Tennessee Fluß lag die föderale Army of the Tennessee unter Ulysses Grant. Zwischen beiden lag viel Wald und eine Kirche aus Baumsämmen namens Shiloh. Gen. Don Carlos Buell, Befehlshaber der U.S. Army of the Ohio (die später in Army of the Cumberland umbenannt werden sollte), befand sich auf dem Marsch, um Grant zu verstärken.

Nach den konföderierten Niederlagen bei Mill Springs und Forts Henry und Donelson hatte sich A.S. Johnston nach Murfreesboro, Tenn. und später nach Corinth, Miss. zurückgezogen. Corinth war ein wichtiges Transport- und Eisenbahnzentrum, aber Johnston hatte Kentucky und einen großen Teil von Tennessee (vorübergehend) preisgegeben.

Grant befehligte eine Mischung aus neuen und erfahrenen Truppen (genau wie die Konföderierten), und er wartete auf Buell, damit er seine Offensive gegen A.S. Johnston beginnen konnte. Während Grant wartete, ließ er seine Soldaten exerzieren, anstatt ihr Lager befestigen. In seinen "Personal Memoirs" schrieb Grant, daß Grabenkrieg später eingeführt wurde (nicht wahr), und seine “Truppen brauchten Disziplin und Exerzieren mehr als Erfahrung mit Hacke, Schaufel und Axt." Anscheinend wollte Grant seinen Männern auch den Dienst auf vorgeschobenen Wachtposten ersparen.

Trotz beunruhigender Aktivitäten "jenseits der Baumlinie" und eines Zusammenstoßes zwischen Patrouillen, den Sherman Grant meldete, erwartete Grant keinen Angriff. Warum soll der Feind aus seinen befestigten Stellungen kommen und ihn angreifen? Sherman war mit ihm einer Meinung, wie immer.

Aus welchem Grunde auch immer: Am Morgen des 6. April hatte Grant das im Reglement vorgesehene System mit 2 Linien vorgeschobener Wachtposten nicht etabliert, und es waren keinerlei Brustwehren vor seinem Lager aufgeworfen. Sonst hätten die Union-Offiziere ein paar Stunden Warnzeit vor der bevorstehenden  Offensive gehabt.

Die vielen Grant-Verteidiger führen an, daß er an dem Vormittag nicht anwesend war, und daß er vor kurzem einen Unfall mit seinem Pferd gehabt hatte und unpäßlich war. An dem Tag starben mehr als Tausend Union-Soldaten.

Man kann Grants relativen Mangel an Erfahrung in Erwägung ziehen. Nur hat er auch später öfters wenig Bereitschaft erkennen lassen, seine Hausaufgaben zu tun und sich auf ein Vorhaben gründlich vorzubereiten (siehe Cold Harbor).

Daß der erste Tag von Shiloh nicht in einer Katastrophe endete, ist der Verbissenheit zu danken, mit der sich die meist noch unerfahrenen Soldaten der Divisionen von Sherman und vor allem von Prentiss verteidigten. Es ist wahr, daß die attackierenden Einheiten der Konföderierten ungünstig in Reihen anstatt Kolonnen verteilt waren, aber auch so fehlten ihnen am Abend nur 200 m vor dem Durchbruch an Grants linker Flanke. Auch starb der konföderierte Befehlshaber A.S. Johnston, wodurch P.T.S. Beauregard den Befehl übernahm. Am Abend traf schließlich Buell mit Verstärkungen ein. Am nächsten Tag also hatte Grant etwa 40,000 (teilweise frische) Männer gegen die etwa 30,000 erschöpften Soldaten Beauregards zur Verfügung, und die Föderierten trieben die Konföderierten vom Feld.

Grant war sehr froh über die Ankunft Buells. Später sollte er jedoch versuchen, Buells Leistung herunterzuspielen. Buell hatte nämlich nach seiner Ankunft versucht, die Tausende versprengter Unionssoldaten am Flußufer bei Pittsburgh Landing wieder in militärische Ordnung zu bringen, und auf irgendeine Weise ließ er Grant wissen oder fühlen, daß er von dem angetroffenen Chaos, das Grant angerichtet hatte, schockiert war. Noch mehr als 20 Jahre später, als Grant auf dem Sterbebett lag und seine Memoiren schrieb, konnte er es nicht lassen, einen letzten Hieb gegen Buell zu führen, der ihn zwar gerettet, aber auch in Verlegenheit gebracht hatte.

Diese Ereignisse hingen nicht in der Luft, denn es gab Folgen. Sobald Grant sich fest im Sattel wußte, wirkte er an der Rufmordkampagne gegen Buell mit. Das war bei weitem nicht das einzige Mal, daß Grant sich so verhielt: Wer ihn irgendwie in den Schatten stellen konnte, mußte damit rechnen -- wahrhaftig ein wenig bekannter, oder mindestens wenig zugegebener Aspekt von Grants Charakter.

Kurz nach der Schlacht kam der Oberbefehlshaber im Westen Henry Halleck an und übernahm das Kommando. Seine Kampagne dauerte 6 Wochen, und er ließ sein Heer 7 Mal Befestigungen errichten, während er die 30 km nach Corinth hinter sich legte. Es waren wenige Verluste. Beauregard gab am Ende Stadt und Knotenpunkt Corinth kampflos auf.

Halleck hat Grant nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern machte ihn zu seinem Stellvertreter, wobei Grant jedoch weitgehend von Verantwortung entbunden war. Ferner übernahm George Thomas Grants Army of the Tennessee. Grant beschwerte sich bitterlich darüber. Sherman gelang es, Grant zu trösten und ihn davon abzuhalten, nach Hause zu fahren. Dabei gibt es Grund zu der Annahme, Halleck wollte Grant nur vor der aufgebrachten öffentlichen Meinung schützen, denn die Höhe der Verluste von Shiloh war bis dato einmalig gewesen. Der Briefwechsel zwischen Halleck und Grant in dieser Zeit läßt darauf schließen, daß Halleck eher wohlwollend auf Grant blickte.

Obwohl Halleck Beauregard entkommen ließ, saß nun die Union auf der wichtigen Eisenbahnlinie zwischen Virginia und Memphis. Während der nächsten anderthalb Jahre wurde viel um diese Linie gefochten, bis Nov. 1863, als Thomas die Schlacht von Chattanooga gewann und das Tor zu dem weichen Bauch der Konföderation sicherte, was wiederum den Vorstoß nach Atlanta ermöglichte, was die Endphase des Bürgerkrieges einleitete.

Nach dem Einzug in Corinth bat Thomas darum, daß die Army of the Tennessee an Grant zurückgegeben werden möge -- eine großzügige Geste, die Grant ihm nachher nie vergeben hat. In der Tat hat Grant Thomas und seinen Ruf für den Rest seines Lebens in Wort und Tat verfolgt. 


3. Die Schlachten von Iuka (19 Sept. 62) und Corinth II (3-4 Okt. 62)

Iuka
Die Hauptkolonne (etwa 3200 Soldaten) der konfödierten Armee von Sterling Price marschierte nach Iuka, Miss. 14 Sept. 62 ein. Price war dem Bragg unterstellt, der seine Offensive in Kentucky führte und Price befahl, den US General William S. Rosecrans davon abzuhalten, nach Tennessee zu kommen.

Grant, Oberbefehlshaber der Army of the Tennessee, fürchtete dagegen, daß Price nach dem Osten gehen würde, um Bragg zu verstärken. Grant heckte einen Plan aus, wonach der General Ord auf Iuka aus dem Westen zukommen sollte, während Rosecrans mit 9000 Soldaten aus dem Südwest kommen und zusammen mit Ord am 18. Sept. Price in Iuka anfallen sollte. Ord bezog rechtzeitig seine Stellung  und wartete, aber Rosecrans hatte einen Tag Verspätung. Als Rosecrans ankam, griff er Price sofort an und vertrieb ihn aus Iuka, ohne auf Ord oder Grant zu warten. Das war ein Fehler.

Grant hielt sich zwischen Ord und Rosecrans auf. Er soll Ord befohlen haben, auf die Schlachtgeräusche von Rosecrans zu warten, bevor er seine Soldaten einschaltete. Ord tat jedoch nichts, Grant auch nicht. Beide behaupteten nachher, obwohl nur einige Kilometer weg, nichts aber gar nichts von einer sich austragenden Schlacht gehört zu haben, wahrscheinlich wegen des starken und ungünstig wehenden Windes, meldeten sie. Andere Beobachter meldeten jedoch, daß an dem Abend Windstelle herrschte, und daß sie wohl Schlachtgeräusche gehört hatten. Noch andere Bebeobachter schrieben, daß Grant betrunken war. Nach der schlacht versuchte Price, sich an seinen Vorgesetzten Gen. Van Dorn anschließen, Rosecrans verfolgte, wurde jedoch durch das unwegsame Terrain und die Nachhut von Price aufgehalten. Später meinte Grant, daß Rosecrans den Price hätte entweder fangen oder vernichten sollen, ein Unternehmen, das so gut wie unmöglich war unter den damaligen Umständen. Schade, daß Grant wieder nicht anwesend war, denn er hätte Rosecrans zeigen können, wie man so etwas macht. Verluste: US 782; CS 1516.

Corinth II
Am 3-4 Oct. 62 übernahm Van Dorn das Kommando über die nunmehr vereinten konföderierten Streitkräften mit etwa 22,000 Mann, die vor dem Eisenbahnknotenpunkt Corinth lagen. Van Dorn hoffte es, Corinth zu erobern und sich dann nach Tennessee zu begeben. Rosecrans jedoch hatte mit etwa 23,000 Soldaten die Befestigungen Corinths bezogen und ausgebaut, die ursprünglich Beauregard vor der Schlacht zu Shiloh angelegt hatte. Am ersten Tag trieb Van Dorn die Föderalen aus den äußeren Linien auf die inneren Linien zurück. Am zweiten Tag wollte Van Dorn die Artillerie von Rosecrans ausschalten, konnte es aber nicht und wurde abgeschlagen und dann vom Feld weggetrieben. Verluste: US 2520; CS 4233.

Für die, Augen zu sehen, Ohren zu hören und ein Gehirn zu denken haben, füge ich hierzu das Kommuniqué Grants an Lincoln über den Ausgang der 2. Schlacht zu Corinth. Darin wird Rosecrans mit keinem Wort erwähnt:

O.R.-- SERIES I--VOLUME XVII/1 [S# 24] OCTOBER 3--12, 1862
JACKSON, TENN., October 9, 1862.
ABRAHAM LINCOLN, President of the United States.
Habe Ihre Botschaft erhalten. Kann nicht so eingehend darauf antworten, wie ich möchte. Ausgetauscht 813 gemeine Soldaten und 43 Offiziere in gesundem Zustand. 700 konföderierten Verwundete wurden ausgetauscht nach Iuka geschickt, 350 verwundete Ausgetauschte immer noch in Corinth. Habe die Zahl der Toten noch nicht. Ung. 800 Rebellen sind begraben. Haben etwa 9 Verluste zu einem unserer erlitten. Die konföderierten Leichen vor der Stadt noch nicht geräumt. Gefangene kommen noch an auf jeder Straße und mit dem Zug. Das schließt die Verluste nicht ein, wo Ord von hinten angegriffen hatte. Er hat 350 unversehrte Gefangene, dazu 2 kleine Batterien und viele Kleinwaffen. Unsere Verluste dort waren zwichen 400 und 500. General Oglesby hat eine Kugel in der Brust bekommen, die jetzt neben dem Rückgrat liegt. Hoffnungen auf seine Erholung. Unsere Tote und Verwundete zu Corinth werden 900 nicht übersteigen, viele nur leicht.
U. S. GRANT, Major-General.


4. Die Schlacht von Perryville 9 Okt. 1862

Der unermüdlich zudringliche Halleck in Washington hatte Buell eine unmöglich zu erfüllende Aufgabe erteilt, namlich Louisville verteidigen, East Tennessee befreien, Nashville halten, Bragg vernichten und 800 km Eisenbahnnetz pflegen und schützen. Er war auch durch die Unterlegenheit seiner Kavallerie der der Konföderierten gegenüber benachteiligt. Angesichts seiner begrenzten Mittel hatte er sich entschieden, für den Moment East Tennessee zu ignorieren und sich auf Nashville zu konzentrieren. East Tennesse war gebirgig und unwirtlich, konnte deshalb seine Armee nicht ernähren. Seine geduldige Organisationsarbeit dieser Periode legte die Basis für die künftige Größe der Schule der Army of the Cumberland.

Bragg, im Laufe seiner Invasion (oder Befreiungskampagne, wie er sie bezeichnete) hatte Louisville am Ohio-Fluß fast erreicht, aber Buell stellte sich dazwischen und schob Bragg dann durch gekonntes Manövrieren zurück. Bragg war entschlossen, so viel wie möglich von Kentucky zu behalten, aber sein Vorhaben gründete auf der Annahme, daß die Bevölkerung von Kentucky die Konföderation im allgemeinen unterstützte und ihm viele Rekruten liefern würde. Bragg täuschte sich darin, und das höhlte seinen Plan aus. Lee hat das Gleiche erfahren, als er nach Maryland einzog  (Schlacht zu Antietam).

Am 1. Okt. 1862 Zog Buells Armee von Louisville, Ky. mit 55,000 Soldaten in Richtung Perryville, Ky. aus. Er hatte seine Einheiten sehr geschickt verteilt und einen eleganten Plan mit Scheinvorstößen, um den Hauptstoß zu verdecken, vorbereitet. Dies war jedoch seine erste Schlacht als Oberbefehlshaber, und sein Stab war dieser Aufgabe nicht gewachsen. Seine Informationen über die Position von Braggs Armee waren falsch. Bevor Buell seine verstreuten Einheiten konzentrieren konnte, entschied sich Bragg, den vorgeschobenen Teil von Buells Armee unter McCook mit möglichst allen seiner 32,500 Soldaten präventiv anzugreifen, was jedoch auch nicht klappte wegen Polks Ungehorsam.

Die Schlacht des 8. Okt. 1862 begann als Zusammenstoß zwischen vorgeschobenen Einheiten wegen einiger Teiche. Beide Armee litten unter schwerem Wassermangel, da das Wetter in der Periode sehr trocken war. Die gegnerischen Einheiten waren gezwungen, sich auf der Suche nach Wasser, zu zerstreuen.  Da weder Buell noch Bragg mit einer Schlacht an dem Tag gerechnet hatten, artete der erste Zusammenstoß in ein Durcheinander von desorientierten und teilweise miteinander vermengten Einheit aus. Der größere Teil von Buells Armee unter Thomas nahm nicht mal daran teil, weil er zu weit weg war (Wassersuche). Buell, der sich einige Kilometer weg ungefähr in der Mitte zwischen den Flügeln aufhielt, wußte von der Schlacht nichts. Zum Einen blies ein starker Wind in die Richtung zur Schlacht von ihm weg, was den Lärm des Gefechtes dämpfte, und zweitens bekam er vom angegriffenen Flügel unter McCook erst am frühen Nachmittag eine Meldung von den Kampfhandlungen. Anscheinend meinte McCook, er brauchte keine Hilfe. Wegen der eigenen Schwierigkeiten konnte Bragg keinen Fortschritt gegen McCook machen, wobei beide schwere Verluste hinnehmen mussten.

Gegen Abend näherten sich andere Unioneinheiten, die Braggs linke Flanke bedrohte und die Situation stabilisiert. Buell richtete sich auf eine Fortsetzung für den folgenden Tag ein, aber es fehlte Bragg an Soldaten und Material,  und er entschied sich, den Kampf abzubrechen. Schon in der Nacht zum 9. zog er sich zurück in Richtung Cumberland Gap und East Tennessee, wo seine Untergebenen ihre inneren Streitereien in Ruhe austragen konnten. Buell zögerte mit der Verfolgung, weil er anfangs nicht wusste, daß Bragg weg war, dann weil es dauerte, bis er ausmachen konnte, welche Richtung Bragg eingeschlagen hatte. Das Gesamtergebnis war jedoch für die Union günstig, denn Kentucky blieb fest in derer Hand für den Rest des Bürgerkrieges. Die geschätzten Verluste lagen bei 7,400 (US 4200, CS 4000).

Die Führung einer großen Armee muß gelernt werden, und dies war Buells erste Erfahrung als unabhängiger Befehlshaber. Anderen wurden ihre Fehler sogar wiederholt verziehen, Buell aber nicht mal einen. Halleck (nun Grants Schutzherr zu Washington), Gouveneur Johnson von Tennessee (weil sich Buell nicht genug um East Tennessee, Johnsons Heimat, gekümmert hatte) und Gouverneur Morton von Indiana (weil Buell dessen Einmischungen abgewehrt hatte) sorgten dafür. Man warf Buell mangelnde Angriffslust vor der Schlacht und laue Verfolgung nach der Schlacht vor. Er wurde durch Rosecrans ersetzt, der die Armee in die des Cumberlands umbenannte. Schon vor der Schlacht hatte man versucht, Buell loszuwerden. Man befahl nämlich Thomas, das Kommando von der Armee von Buell zu übernehmen, und Thomas wehrte ab.

Nun begann die bürokratische Schlacht. Vom 24 Nov. 62 bis zum 19 Mai 63 saß ein Militärgericht, das Buells Kriegführung bis dato unter die Lupe nahm. Der Leser soll sich merken, daß im ganzen Bürgerkrieg sowohl Grant wie Sherman von solchen Militärkommissionen verschont blieben. Thomas wurde vorgeladen und unterstütze ruhig und objektiv seinen Vorgesetzten, wobei er den einen Meinungsunterschied über die Wahl des Schlachtortes freimütig erwähnte mit der Enschränkung, daß er über die Versorgungslage weniger gut als Buell informiert war. Das war zu wenig für die Verfolger von Buell, und die Unvoreingenommen unter der Jury blieben fest. Am Ende kam die Kommission zum Schluß, daß sowohl Buell und McCook in Perrysville Fehler gemacht hatten, und daß Buell sich bei der Verfolgung aggressiver hätte verhalten müssen. Ferner merkte der Bericht, daß Buell zu viel mit der Instandhaltung des Eisenbahnnetzes beansprucht gewesen ist. Das reichte Halleck nicht, und er ließ sein eigenes vernichtende und richtig verlogene Urteil in den Bericht hineinschreiben. Der Bericht wurde jedoch nicht veröffentlicht, auch wurde nichts gegen Buell formell unternommen, aber seine Militärlaufbahn war beendet. Vorsicht vor Männern wie Halleck war und ist geboten.


5. Die Schlacht von Murfreesboro (Stones River) 31 Dec. 62 und 2 Jan. 63

* Ein interessantes Zitat vom Bericht Braggs in bezug auf den ersten Tag, als Bragg fast siegte: "Rosecrans hatte mindestens zweimal so viel Truppen wie ich und konnte frische Truppen zu jedem Punkt bringen, um unser Vordringen aufzuhalten. Er hat das mit einem Können und Verstand gemacht, der immer seinen Stellvertreter [Thomas] ausgezeichnet hatte.

Nach der Niederlage von General Braxton Bragg zu Perryville, KY am 8. Okt. 62, zog er seine konföderierte Army of the Mississippi zurück nach East Tennessee. Dort wurde sie reorganisiert und in die Army of Tennessee umbenannt. Sie stieß dann nach Murfreesboro in der Mitte von Tennessee, um dort ihr Winterlager zu errichten. William S. Rosecrans’ Union Army of the Cumberland folgte Bragg aus Kentucky und etablierte sich in Nashville. Rosecrans verließ Nashville 26 Dez. 62 mit etwa 44.000 Soldaten und stellte sich auf vor den etwa 37.000 Soldaten von Bragg 29 Dez. 62. Am vorabend der Schlacht gab es einen Wettbewerb zwischen den respektiven Militärkapellen. Am Ende des Konzerts sangen beide Armeen zusammen das Lied "Home Sweet Home" (Heim, süßes Heim).

Beim Morgengrauen am 31. Dezember, bevor Rosecrans' geplanter Angriff gegen Braggs rechten Flügel startete, griff zuerst Bragg den rechten Flügel der Union an. Bis 10 Uhr hatten die Konföderierten die Unionslinie bis auf die Nashville Landstraße zurückgedrängt, aber dann hielt sie, nachdem Verstärkungen von Rosecrans' linkem Flügel ankamen. Bragg hatte keine Reserven, womit er mit einem letzten Schub die Schlacht hätte entscheiden können. Deshalb befahl er Breckinridge am eigenen anderen Flügel Verstärkungen an Polk zu schicken, aber Breckenridge schickte eigenmächtig nur einen Teil der benötigten Truppen, weil er meinte selber bedroht zu sein, was aber nicht zutraf.

Am Ende der Kampfhandlungen an dem Tag hatten die Föderalen eine neue, starke Linie in U-Formation etabliert. Die Ecke befand sich am "runden Forst", und dort stellte Thomas die Artillerie unter Hazen auf. *

Am Neujahrstag gönnten sich beide Armeen eine Pause. Bragg rechnete damit, daß Rosecrans sich zurückzieehen wurde, und Rosecrans selber dachte daran. Bei der anhaltenden nächtlichen Lagerbesprechung schwieg oder schlief Thomas, bis er sagte: "Diese Armee kann sich nicht zurückziehen", und dabei blieb es. Am Nachmittag des 2. Jan. 63 schickte Bragg Gen. Breckenridge mit einer Division gegen eine Union-Division, die den Stones River am Vortag überquert hatte. Die Konföderierten trieben die Unionstruppen weitgehend auf die andere Flußseite zurück, aber dann konterten sie mit der Hilfe von Thomas' Artillerie, und der Angriff wurde abgeschlagen.

Am 3. Jan. 63 erhielt Bragg Nachrichten, wonach ihm klar wurde, daß die Armee von Rosecrans größer als vorher angenommen war, und die Generäle unter Bragg empfahlen den Rückzug. Am 4. Jan. verließ Bragg Murfreesboro, um eine neue Linie etwa 50 km nach dem Süden vor Tullahoma aufzustellen. Rosecrans verfolgte nicht und blieb in Murfreesboro noch weitere 6 Monate, um seinen Meisterschlag gegen Tullahoma vorzubereiten. Da Bragg das Feld geräumt hatte, wird diese Schlacht als ein Unionssieg betrachtet. Verluste auf beiden Seiten waren erheblich. Geschätzte Verluste: insgesamt 23.515 (US 13.249; CS 10.266).


6. Die Tullahoma Kampangne 22-29 Juni 1863 (ein militärisches Meisterstück)

Nach der Schlacht von Murfreesboro oder Stones River (30 Dec. 62, 2 Jan. 63 richtete Rosecrans dort sein Winterlager ein. Bragg zog 50 km nach Süden und stellte eine Verteidigungslinie nördlich von Tullahoma auf, um einen föderalen Vorstoß gegen Chattanooga abzuwehren. Rosecrans hat für die kommende Kampagne 6 Monate lang gründlich seine Vorbereitungen getroffen, indem er Vorräte anlegte und seine Soldaten darauf vorbereitete. Sein größtes Problem war die Unterlegenheit seine Kavallerie. Die Lösung dieses Problems wurde ihm förmlich in den Schoß geworfen durch einen Freiwilligen namens Col. John T. Wilder, Besitzer einer Gießerei in Indiana. Wilder kam zu Rosecrans mit einer revolutionären Idee: Fußvolk nehmen, es auf Pferde tun, und es mit dem neuen Schellschußgewehr von Spencer (mit 7 Patronen im Magazin) ausrüsten, um es dann als Schocktruppen einzusetzen. Die sollten  schnell um eine Flanke reiten, absitzen, und dann als Infanterie den Feind von hinten mit der Feuerkraft einer viel größeren, herkömmlich bewaffneten Einheit angreifen. Rosecrans hörte zu und gab Wilder die Erlaubnis, die Pferde einzusammeln. Wilder hat es auch mit seiner Bank eingerichtet, daß die Soldaten seiner Brigade für die benötigten Gewehre zu $35 das Stück in Raten von ihrem eigenen Monatslohn bezahlen sollten. In der Planung für die kommende Kampagne gegen Bragg wurde Wilder dem George Thomas unterstellt.

Mittlerweile wuchs ständig der Druck aus Washington auf Rosecrans. Rosecrans jedoch, genau wie Buell vor ihm, hatte wenig Geduld und Diplomatie, um solche Eingriffe abzuwehren, und er tauschte Sarkasmen gegen Sarkasmen aus. Als Grant am 1. Mai 1863 unterhalb Vicksburg den Mississippi zum östlichen Ufer überquerte, wuchs das Volumen der Botschaften, die immer schärfer nach Bewegung verlangten, ins Unermeßliche. Man fürchtete, daß Bragg, der durch Rosecrans "nicht in Anspruch" genommen wurde, Verstärkungen zu J. Johnston vor Vicksburg schicken könnte, was jedoch nicht geschah.

Rosecrans hat sich geweigert, loszufahren, bevor er dazu bereit war. Daß es sich hinterher herausstellte, daß er damit recht hatte, hat ihn bei Halleck nicht beliebter gemacht, der nunmehr so etwas wie Stabschef beim War Department in Washington war. In der Tat hat Rosecrans seine militärische Laufbahn aufs Spiel gesetzt, indem er langsam einen Plan ausheckte, um von Wilder und seinen ungeheuer schlagkräftigen Berittenen guten Gebrauch zu machen. Der Plan war sowohl gewagt wie auch kompliziert, indem 4 Kolonnen auf breiter Front nach dem Süden geschickt wurden. Trotz pausenlosen Regens lief der Plan, dank der monatelangen Vorbereitung, fast perfekt ab. Von Westen nach Osten: Granger soll einen Angriff auf befestigtes Shelbyville vortäuschen. McCook sollte Liberty Gap (oder Paß) anfallen und den Gegner Hardee dort halten. Thomas sollte durch den nächsten Paß (Hoover's Gap) vorstoßen, und zuletzt sollte Crittenden einen vorgetäuschten Scheinvorstoß gegen McMinnville machen, d.h. diese letzte Bewegung sollte als Täuschung erkannt werden, um die Aufmerksamkeit wieder auf Shelbyville zu lenken.

Es ging los am 22. Juni 1863 mit Crittenden gegen McMinnville an der östlichen Flanke, am 23. mit Granger gegen Shelbyville im Westen, und am 24. ging Thomas durch den Hoover's Gap mit dem Hauptvorstoß.

Zuerst stürmte die berittene Brigade von Wilder mit Tausend Mann durch Hoover's Gap und sicherte den südlichen Ausgang für die Infanterie von Thomas, die darauf folgte. Niemals vorher in der Geschichte hatte soviel Feuerkraft 15 km so schnell hinter sich gelegt. Die feindlichen Vedetten und Wachtposten wurden überrumpelt und konnten keine Meldung zurück an Bragg schicken. Als Thomas aufschloß, sagte er Wilder, daß diese Aktion ihm 2000 Verluste gespart hatte. Hardee unmittelbar im Westen hörte den Gefechtslärm und schloß daraus, daß eine sehr große Streitmacht plötzlich an ihm vorbei gekommen war. Er geriet deshalb in Panik und leitete, ohne Befehl, die Flucht seines Korps nach Tullahoma ein. Polk in Shelbyville wurde dadurch bloßgestellt und mußte ebenfalls auch nach Tullahoma zurückziehen.

Als es dann klar wurde, daß Rosecrans ein weiteres Flankenmanöver im Westen von Tullahoma vorhatte, berieten sich Bragg und seine Generäle, und sie entschieden sich am 28. Juni für den Rückzug der ganzen Army of Tennessee nach Chattanooga, was am folgenden Tag geschah. Am 3. Juli war Bragg in Sicherheit hinter dem Elk River, und Rosecrans erklärte die Tullahoma Kampagne für beendet. Zufällig am gleichen Tag endeten die Gettysburg Schlacht und die Belagerung von Vicksburg, wobei Tullahoma wichtiger für den Ausgang dies Krieges war, als die 2 berühmteren Konfrontationen es waren

Zum Preis von rund 500 Verlusten hatte Rosecrans beinahe auf Anhieb die Konföderierten um 160 km zurückgedrängt. Dabei ging er in Stellung, die sehr wichtige Eisenbahnlinie zwischen Memphis und Virginia unter die permanente Kontrolle der Union zu bringen. Um Chattanooga, das Tor zum tiefen Süden, an sich zu reißen, mußte er zuerst dorthin kommen, und das sollte er auch binnen kurzem tun.

Diese Schlacht genießt wenig Aufmerksameit, vor allem bei denen, die sich durch hohe "body counts" blenden lassen. Um so mehr Grund für den einsichtigen Studenten der Geschichte, sich damit zu beschäftigen und diesem Meisterstück von Planung und Ausführung seinen verdienten Platz in der Geschichte zuteil kommen zu lassen.

Die Konföderierten litten in dieser Kampagne nur etwa 1000 Mann Verluste. Wer meint, daß den Konföderierten der "weiche Krieg" wenig geschmerzt hat, soll die Berichte von Bragg, Polk und Cleburne lesen.


7. Die Schlacht von Chickamauga 19-20 Sept. 63

Nach der Tullahoma-Kampagne (22-28 Juni 63) bereitete Rosecrans seine flankierende Bewegung nach und um Chattanooga mit größter Sorgfalt vor. Am 29. Aug. 63 überquerten seine Streitkräfte den Tennessee-Fluß an 4 Punkten in der Nähe von Bridgeport, Ala., etwa 50 km stromabwärts von Chattanooga. Er schickte dann die Army of the Cumberland in 3 Gruppen auf einer 60 km breiten Front um Chattanooga herum. McCook war im Süden am unteren Ende von Lookout Mountain, Thomas war in der Mitte und besetzte (kampflos, dank der Hilfe eines hiesigen Union-Sympatisanten) Stevens' Gap auf dem Berg selber, und Crittenden wartete vor Chattnooga auf Braggs Rückzug, der auch am 8. Sept. erfolgte.

Jedoch alle Berichte, wonach Bragg auf der Flucht war, täuschten und/oder basierten auf Wunschdenken. Thomas warnte Rosecrans, daß Bragg nicht weit weg und auf der Lauer war - eine große Gefahr für die getrennten Unionseinheiten, und meinte nachdrücklich, es wäre besser, sich zuerst in Chattanooga zu konsolidieren, bevor man Bragg ernsthaft in Angriff nahm. Nur war Rosecrans unter pausenlosem Druck von Stanton und Halleck, um Bragg zu stellen und zu vernichten, und Rosecrans entschied sich, den Versuch zu machen. Nur war es mittlerweile dem Bragg bekannt geworden, in welch präkaren Lage Rosecrans' Armee sich befand, und er plante Verschiedenes, um die vereinzelten Gruppen der Unionseinheiten im Detail zu zerschlagen, bevor sie sich zusammenschließen konnten. Leider wurde jedes dieser Einzelunternehmen durch Ungehorsam und Streitereien seitens seiner untergestellten Generäle vereitelt. Ein solcher Versuch erfolgte in McClemore's Cove zwischen der Stadt La Fayette, Ga. und Lookout Mountain. Dies war ein sich nach dem Süden verengendes Tal mit einem breiten Zugang im Norden und einem engen Ausgang in Richtung Westen. Ein Teil von Thomas' Kommando unter Negley zog ins Tal unter dem Befehl, Bragg zu finden. Nur wußte man anfangs nicht, daß fast die ganze Armee von Bragg nicht mal 10 km weg lag. Thomas jedoch roch Lunte, wahrscheinlich mit Nachhilfle von hiesigen Unionspartisanen (ja, es gab welche im Norden von Georgia und Alabama), und untersagte Negleys Vormarsch 2 Tage lang 11-12 Sept. 63. Es half Thomas dabei, daß seine Geheimdienstler den Konföderierten Code geknackt hatten und etliche von Braggs Berichten mitlasen. Die Union hatte nicht nur die besseren Kanonen, sondern auch die besseren Mathematiker.

Bragg hatte eine Falle vorbereitet. Hindman sollte Negley vom Norden anfallen, und daraufhin sollte Bragg mit A.P. Hill vom Osten angreifen. Wenn das geklappt hätte, wäre Negley mit einem wichtigen Teil von Rosecrans' Armee aufgerieben worden. Nur las Hindman Diskretion in seine Befehle hinein und zögerte. Bragg und Hill horchte nach den Schlachtgeräuschen von Hindmans Sektor, die aber ausblieben, und Bragg zögerte mit.

Negley zog sich dann rechtzeitig und unbehelligt wieder nach dem Westen, Lookout Mountain und Sicherheit. Während der nächsten Woche versuchte Rosecrans verzweifelt, seine Armee zu konzentrieren und sie gleichzeitig näher an Chattanooga zu bringen, während Bragg versuchte, sich zwischen Rosecrans und Chattenooga zu stellen. Dies führte zu Zusammenstößen von Kavalleripatrouillen, die dann das Generalengagement 19-20 Sept. 63 herbeiführten.

Gemäß Ambrose Bierce, der unter Thomas Topograph war, wurde die Schlacht wegen der Kontrolle einer Landstraße ausgetragen, nämlich die McFarland Road, die von der nördlichen Flanke der Union zurück nach McFarland Gap und weiter nach Chattanooga führte.

Weder Rosecrans noch Bragg waren darauf vorbereitet, eine Schlacht zu liefern. Das Heer von Bragg (the Army of Tennessee) war stärker zusammengeschlossen, aber bis zur Ankunft des Korps von Longstreet aus Virginia am Vorabend der Schlacht war es der Army of the Cumberland zahlmäßig unterlegen.

Vorher hatte Bragg verschiede Versuche unternommen, die zerstreuten Teile von Rosecrans' Herr getrennt zu schlagen, aber jeder Versuch wurde vereitelt durch schlechte Kommunikationen und regelrechtes Ungehorsam seitens seiner Divisions- und Korps-Befehlshaber (vor allem Polk, Hindman und Alexander P. Hill).

In der Zwischenzeit machten Rosecrans' geteilte Einheiten Nachtmärsche, um sich zusammenzuschließen und gleichzeitig sich näher an ihre Basis in Chattanooga zu bringen. Gleichzeitig verlegte sich Bragg nach dem Norden beim Versuch, Rosecrans den Rückweg nach Chattanooga abzuschneiden.

Der erste größere Kontakt fand zwischen den Kavallerien am 18. Sept. statt. Aus Gründen, die schwer zu erklären und noch schwerer zu verstehen sind, kam ein von Bragg befohlener Angriff von Polk auf Rosecrans' damalige linke Flanke unter Crittenden nicht zustande. Dazu war das Terrain für die Austragung einer Schlacht für beide Seiten ungeeignet, da es weitgehend bewaldet war. Steele schrieb: “Die beiden Heere wußten nicht genau, wo das andere sich befand. Wahrscheinlich wußten die Divisionsbefehlshaber auf beiden Seiten kaum, wo sie selber hingehörten im Dickicht, geschweige denn, wo ihre benachbarten Einheiten waren oder die des Gegners. Die Linien waren zu dieser Zeit etwa 10 km lang." Wenn man berücksichtigt, daß Rosecrans' Gefechtsordnung erst morgen früh am 19. einigermaßen fest stand, daß das Korps von Longstreet erst am Vortag, und Longstreet selber erst spät in der Nacht ankam, kann man sich das Durcheinander auf beiden Seiten vorstellen.

Am 19. fing es wieder zwischen Kavallerie-Einheiten an, was diesmal jedoch den allgemeinen Zusammenstoß einleitete. Der erste Tag war nur ein blutiges Hin und Her ohne Vorteil für die eine oder andere Seite. Während der Nacht wurden auf beiden Seiten noch mehr Einheiten umhergschoben, und Rosecrans stellte sich auf Verteidigung ein, während Bragg in die Offensive überging. Bragg befahl eine sehr komplizierte Attacke, wonach ganz früh Polk die nördliche Flanke von Rosecrans unter Thomas anfallen sollte, aber Polk hat entweder den Befehl nicht erhalten, oder ihn doch erhalten und nicht ausgeführt, oder wenn doch erhalten, dann mit Verspätung ausgeführt. Und wenn er den Befehl rechtzeitig erhalten hätte, dann hätte er sowieso, aus Prinzip, gezögert. Auf jeden Fall, gab es im Norden keinen frühen Angriff. Leider sollte dieser Angriff das Signal sein für Longstreet an der südlichen Flanke anzugreifen. Als dann nichts geschah, gab Bragg den Angriffsbefehl direkt an die Divisionsbefehlhaber. Irgendwann begann die Schlacht. Thomas im Norden rief wiederholt um Verstärkungen, weil er den einzigen Rückweg nach Chattanooga halten mußte, und die wurden von der Mitte und von der anderen Flanke geschickt. Einmal führte dies zu einem Mißverständnis, und ein Loch gegen die nördliche Unionsflanke tat sich auf, das zufällig eine attackierende Kolonne unter Hood im Korps von Longstreet fand, worauf diese Unionsflanke ganz auseinander fiel.

Rosecrans und viele der anderen Generäle zogen sich nach Rossville und dann nach Chattanooga zurück. Negley nahm mit sich sogar fast die ganze Artillerie. Um die Mittagszeit etwa blieb das Korps von Thomas allein auf dem Feld, 25.000 Mann gegen nunmehr 60.000. Thomas zog dann seine Flanken ein und etablierte sich auf einem kleinen Hügel namens Snodgrass Hill, und dort hielt er sich bis Sonnenuntergang, worauf er in geordnete Weise das Feld räumte. Ihm half, daß Longstreet viele Frontalangriffe machte, ferner daß um etwas 2 Uhr Granger mit dem Reservekorps aus dem Norden ankam, und schließlich daß seine Soldaten die besttrainerten und die motiviertesten im ganzen Lande waren. Dadurch rettete Thomas die Army of the Cumberland, und dies brachte Ihm den Ehrentitel Felsen von Chickamauga ein

Die Verluststatistik erzählt die Geschichte fast von selbst. n etwa 58.000 Unionseffektiven gab es 16.000 Verluste (28%), und von den etwa 66.000 Konföderartionseffektiven gab es 18.000 Verluste (auch 28%). Es wird behauptet, daß diese Schlacht die zwei blutigsten Tage des ganzen Bürgerkrieges waren. Bragg hatte einigermaßen gesiegt, aber sein Heer war genauso übel dran als das von Rosecrans. Bragg hatte keine Lust zu verfolgen, wahrscheinlich war sein Heer dazu nicht fähig, und Rosecrans war eine Zeitlang sicher hinter den Befestigungen um Chattanooga. Braggs Sieg war folglich teuer und fruchtlos, die Niederlage von Rosecrans war teuer und, am Ende, ohne Folgen für die Union.

Eine Schlacht auf diese Weise zu liefern, war uncharakteristisch für Rosekrans. Er wurde jedoch dazu getrieben durch Druck aus Washington, und vielleicht leitete ihn auch sein frustrierter Ehrgeiz dazu. Das ist es, wozu die "harte" Kriegführung leiten kann.


8. Die Schlacht um Chattanooga 23, 24, und 25 Nov. 63

Diese Schlacht war eigentlich Teil einer außerordentlich komplexen Serie von Ereignissen, angefangen mit oder sogar vor der Chickamauga-Schlacht (siehe oben). Die Schlacht um Chattanooga war der eigentliche Wendepunkt im US-Bürgerkrieg, weil ihr Ausgang das Tor nach dem tiefen Süden für die Unionsstreitkräfte eröffnete, und zwar im letzen Moment, um die Einnahme von Atlanta zu ermöglichen, damit die Congreß- und Präsidentschaftswahlen im Herbst 1864 zugunsten von Lincoln beeinflußt werden konnten.

Nach der Niederlage von Rosecrans' Armee zu Chickamauga, die vor der Vernichtung nur durch den einmaligen Stand von Thomas (25.000 gegen 60.000) gerettet wurde, befestigte sich Rosecrans in Chattanooga, indem er auf die herumliegenden Höhen von Lookout Mountain und Missionary Ridge verzichtete. Rosecrans lief also vorübergehend keine Gefahr, aber seine Versorgungslage wurde schnell kritisch, da die besten Straßen nach Chattanooga fast ringsherum unter konföderierten Kontrolle lagen.

Der Armee von Bragg ging es jedoch kaum besser. Es herrschte Chaos im konföderierten Versorgungssystem. Nach Anordnung von der Regierung in Richmond lag das Furage-Gebiet für Bragg weit weg im Süden, während die Erträge von den ihm umliegenden Gebieten alle nach Virginia und Lee gingen. Bragg mußte sich auch von Chickamauga erholen, und die Befestigungen von Chattanooga waren stark und wurden noch stärker. Bragg richtete sich also auf eine Belagerung ein, wobei nicht sicher war, wer wen belagerte. Bragg war auch damit beschäftigt, sich von den ungehorsamen Generälen zu befreien, die ihn so sehr behindert hatten vor der letzten Schlacht, eigentlich seit seinem ersten Einzug in Kentucky. Das schlimmste Element diesbezüglich war der neulich hinzugekommene Longstreet, der Retter in der Not aus dem Osten, der sich nach der Chickamauga-Schlacht mit Gusto in die internen Zerwürfnisse der Army of Tennessee hineinwarf, und zwar im Einklang mit Braggs Gegnern. Er kam ja dorthin in der Erwartung, Bragg zu ersetzen and war enttäuscht, als dies nicht geschah. Nur hatte Bragg keine freie Hand gegen diese Leute, und auch die nicht gegen ihn. Davis kam Ende September 1863 nach Chattanogga um zu sichten und schlichten, und er blieb bei Bragg. Polk und Hindman wurden versetzt, aber Longstreet wurde praktisch und ungern zu Braggs Stellvertreter. Bragg versuchte Longstreet zufrieden zu stellen, indem er ihm die Verantwortung für den ganzen linken Flügel übertrug, aber Longstreet kümmerte sich wenig darum in den folgenden Wochen. Als Hazen 28 Okt. Brown's Ferry in Lookout Valley besetzte, befahl Bragg Longstreet, diesen frischen Stützpunkt zu unterbinden. Longstreet tat gar nichts. Als am folgenden Tag das Korps von Hooker (Verstärkung von der Potomac-Armee) in Lookout Valley ankam, befahl Bragg Longsreet wieder, "mit allen notwendigen Kräften" Hooker vom Tal zu vertreiben. Stattdessen ordnete er einen improvisierten nächtlichen Einfall von einer Division gegen Hookers Nachhut in Wauhatchie an, der jedoch fehlschlug. Hooker saß also fest an Braggs linkem Flügel, was die Wiederherstellung der Versorgungslinie der Unionstruppen in Chattanooga ermöglichte. Nachdem Longstreet auf diese Weise den linken Flügel zum Teufel hingeschmissen hatte, fädelte er Davis in Richmond den Plan ein, wonach er mit seinem 18,000 Mann starken Korps 160 km nach Knoxville ziehen sollte, um dort Burnside rauszuschmeißen. Davis willigte ein, und Bragg war auch einverstanden, froh Longstreet loszuwerden und hoffend, Unionsstreifkräfte würden dann auch von Chattanooga in Richtung Knoxville abgezogen. Weder das eine noch das Andere geschah. Burnside wehrte nachher Longstreet fast mühelos ab, und er tat das ohne Verstärkung von Thomas, der am 19. Okt. 63 das Kommando der Army of the Cumberland von Rosecrans übernommen hatte.

Thomas löste sofort das Versorgungsproblem, indem er den schon von Rosecrans und "Baldy" Smith vorbereiteten Brown's Ferry Plan ausführte. Er reorganisierte auch die Armee neu von Grund auf. Im Gegensatz zu Bragg hatte er freie Hand dabei, und all die Generäle (ausgenommen Sheridan, Grants Günstling), die zu Chickamauga die Flucht ergriffen hatten, wurden ersetzt. Am 23. Okt. kam auch Grant an. Grant hatte seinen eigenen Plan mitgebracht, wonach Sherman bei der kommenden Schlacht zum Sieg und Grant zum großen Architekt dessen verholfen werden sollten. Grant war nach dem komischen Sieg in Vicksburg zum Oberbefehlshaber im Westen ernannt worden, und Sherman, nunmehr Chef von Grants früherer Army of the Tennesse, kam nun langsam langsam auch nach Chattanooga.

Jedoch Grant und Thomas mochten sich nicht sehr. Grant war verunsichert durch Thomas, da Thomas der einzig mögliche Rivale für die Gesamtführung der Unionsarmeen war. Anderseits gefiel dem Thomas Grants Hang zur Improvisation nicht. Ferner brauchte Thomas weder Grants Hilfe noch seine Anwesenheit, um mit Bragg fertig zu werden. Für eine detaillierte Analyse dieser Situation soll man meinen Artikel “Politics in the Union Army at the Battle for Chattanooga” (allerdings auf Englisch) lesen. Grants versteckte oder nicht ganz verteckte Agenden (Sherman befördern, sich nach dem Osten zum Antritt gegen Lee rufen lassen, sich andere Bahnen für nach dem Krieg offen halten usw.) standen jedoch im direkten Konflikt mit dem Vorsatz von Thomas, der lediglich Bragg entscheidend schlagen und den Krieg verkürzen wollte.

Kurz, Sherman kam verspätet an und vermasselte dann regelrecht seinen Angriff gegen das Nordende von Missionary Ridge. In der Tat ließ er sich durch Cleburne mit weniger als einem Viertel der Streikräfte nicht nur zum Stehen bringen, sondern zurücktreiben. Die Fehler von Sherman an dem Tag gehen auf keine Kuhhaut, um mich der alten Phrase zu bedienen. Indem Grants Plan allmählich scheiterte, konnte Thomas den eigenen Plan zur Geltung bringen, wonach Hooker den südlichen Flügel auseinandernehman sollte, was er auch am 24. und am 25. Nov. tat. Gemäß Grants Plan sollte der ihm noch unbliebtere (weil großmäulig) aber auch meistens kompetente Hooker in der Reserve bleiben, vielleicht ein bißchen demonstrieren. Thomas in der Mitte sollte Bragg nur ablenken und sich anschließend Shermans Siegesmarsch entlang dem Missionary Ridge gesellen. Als all das fehlschlug, blieb nur Hooker übrig, und Thomas durfte ihn gemäß seinem eigenen und ursprünglichen Plan einschalten. Am 24. Nov., während sich Sherman langsam langsam auf das Südufer des Tennessee-Flusses übersetzte, nahm Hooker auf spektakuläre Weise Lookout Mountain, zwar gegen geschwächte Opposition, denn Longstreets Korps war längst weg. Weil Sherman eine sehr flüchtige Aufklärung gemacht hatte, wußte er nicht genau, wo er am 25. war, auf jeden Fall war er 2 km weg von dem Objektiv seiner Befehle, und nun durfte Hooker weiter machen und Rossville Gap, die sehr schwach besetzte südliche Flanke von Braggs Linie auf Missionary Ridge, angreifen, was er auch energisch tat.

Wie praktisch nur in den Berichten von der Division von Stewart (der das Kommando über Braggs südlichen Flügel führte und dessen Berichte mehr als 120 Jahre verschollen bzw. ungeachtet blieben) zu lesen ist, weil nachher die Geschichte dieser Schlacht weitgehend durch Grant und Co. verfälscht wurde, zerfiel zuerst dieser Teil von Braggs Verteidigungslinie, kurz bevor die berühmte und "spontane" Attacke hügelaufwärts gegen die Mitte durch 4 Divisionen unter Thomas den Durchbruch erzielte.

Diese Attacke begann als ein Befehl von Grant für eine begrenzte Demonstration, um Druck von dem steckengebliebenen Sherman wegzuziehen. Demnach sollten Thomas' Leute nur den Fuß von Missionary Ridge einnehmen, und dort, dem direkten Feuer von oben ausgesetzt, stehen bleiben. Auf verschiedene Weise hat Thomas es gewußt, die Ausführung dieses mörderischen Befehls zu verhindern, bis er sicher war, daß Hooker seine Arbeit geleistet hatte.

Als die 4 Divisionen noch unter Thomas an dem Tag die konföderierten Stellungen am Fuße des Berges einnahmen, gingen sie weiter und erklimmten die ein paar Hundert Meter gegen die bis zu 45%-e Steigung, bis sie oben durchbrachen. Einer der ersten oben war der deutsche Flüchtling Willich, nun Brigadekommandeur unter Thomas. Aber dort oben war es schon morsch geworden, erst beim bloßen Anblick von Hookers unbehindertem Vormarsch am Vormittag, und dann durch die beginnende Panik bei der Ankunft von Osterhaus (Brigadekommandeur unter Hooker, auch aus Deutschland) fast hinter Braggs Hauptquartier in der Mitte von Missionary Ridge. Braggs Soldaten entschieden sich, ihre Armee zu retten, wenn Bragg sich dazu nicht entschließen konnte.

Es wird oft behauptet, dieser Sturm auf die Höhen war spontan. Nur waren viele der Brigadenbefehlshaber anderer Meinung. Der rote August Willich war einer davon, und er schrieb in seinem Bericht nacher, daß er ausdrücklichen Befehl hatte, den Gipfel zu bestürmen. Sicher kam dieser Befehl von Grant nicht, denn als der sah, wie die Unionssoldaten weiter gingen als er befohlen hatte, fing er gemäß fast allen Augenzeugen zu toben an. Grant hatte oft genug bewiesen, und würde es nacher widerholt beweisen, daß er sich nicht besonders an hohen Verlusten störte. Der wahre Grund für seine Rage war die Einsicht, daß nicht Sherman, sondern Thomas den großen Sieg einheimsen könnte, und das lag nicht in seinem Plan.

Hinterher haben Grant & Co. das Nächstbeste getan und die Geschichte der Schlacht, mit der Hilfe von Halleck und Dana, umgeschrieben. Demgemäß hat Sherman erfolgreich Bragg beim einen Bein gehalten, Thomas hat durch ein einmaliges (d.h. nicht weiter erklärungsbedürftiges) Wunder die Mitte durchbrochen, und Hooker verschwand stundenlang in einem schwarzen Loch vor Rossville. Anschließend wurde Sherman zum Oberbefehlshaber für die Atlanta-Kampagne befördert, und Thomas und seine Army of the Cumberland wurden Sherman unterstellt. Liebe Leser, ich übertreibe hier nicht. Habe ich übrigens erwähnt, daß der Bruder von Sherman zu dieser Zeit US-Senator von Ohio war, und sein Schwiegervater ehemaliger US-Senator?


9. Die Kampagne von Dalton, Ga. bis Atlanta 7 Mai - 16 Juli 1864

Nach der Schlacht von Chattanooga wurde Sherman zum Kommandeur des Military Departments von dem Mississippi befördert, anstatt vor ein militärisches Untersuchungsgericht zu kommen, und Thomas wurde ihm mit seiner Army of the Cumberland unterstellt. Die darauf folgende Kampagne war eine Serie von verpaßten Chancen und offizieller Reinwäscherei seitens Sherman, als er versuchte, Grant und der Welt zu erklären, warum es ihm mit seiner viel größeren Armee nicht gelungen war, mit der viel spärlicher ausgerüsteten Armee von Joseph Johnston, der 27. Dez. 1863 Bragg ablöste, fertig zu werden. In seinen Berichten und Briefen schuldete Sherman viele andere deshalb an (Thomas, Hooker, et al.) aber sich selber nie. Trotzdem, aus irgendeinem Grund, der vielleicht damit im Zusammenhang stand, daß Shermans Bruder US-Senator von Ohio war, zog Grant Shermans Führungsstil dem von Thomas vor, und damit aus. Dem dynamischen Duo war es egal, daß Thomas' Leute die Stabsarbeit (Genie, Aufklärung, Logistik, Eisenbahn usw.) für Sherman und die ganze 120,000 Mann starke Heeresgruppe leisteten. In der Tat kann es sein, daß die solide Kompetenz und kompromißlose Berufsmoral von Thomas den Sherman (auf der kurzen Leine Grants) gelegentlich reizte, zu zeigen, wer dort eigentlich der Chef war. Ja, Atlanta wurde am 2 Sept. genommen, gerade rechtzeitig für die für Lincoln kritischen Herbstwahlen im Norden. Hätte Thomas freie Hand gehabt, oder wenn Sherman über seine Eifersucht darüber hinweg hätte kommen und auf die Ratschläge Thomas' hätte hören können (oder dürfen?), dann wäre die Armee von J. Johnston längst vor dem 2. Sept. ausgeschaltet gewesen. Kurz, Grants Fernsteuerung der Atlanta Kampagne hat den Krieg um mindestens ein Jahr verlängert.

Eigentlich war diese Kampagne eine einzige andauernde Schlacht. Wegen der Übersichtlichkeit teile ich sie in 2 Phasen und wiederum die Phasen willkürlich in Schlachten oder Höhepunkten ein. Die Höhepunkte der ersten Phase (bis zur Ablösung J. Johnstons, herbeigeführt durch Hood am 17. Juli 1864) waren: 1) Rocky Face Ridge (Dalton oder Dug Gap) 7-13 Mai 64; 2) Resaca 13-15 Mai 64; 2 ½ ) New Hope Church 25-26 Mai 64; 3) Kennesaw Mountain 27 Juni 64; und 4) Chattahoochie River 4-9 Juli 64.

1) Am 7. May 64 startete Sherman seine Frühlingsoffensive gegen J. Johnston los vor Rocky Face Ridge vor Dalton. Die Auskundschafter vov Thomas hatten längst ausgemacht, daß der kleine Paß Snake Creek Gap ung. 25 km südwestlich von Dalton nicht oder höchstens schwach verteidigt war. Thomas schlug vor, mit seinen ganzen 60.000 Soldaten dort durchzumarschieren und sich zu Resaca hinter Johnston und auf der Eisenbahnline nach Atlanta aufzustellen, und dann die verzweifelte Reaktion Johnstons einfach abzuwarten. Stattdessen hat Sherman den Plan verwässert (auf Befehl von Grant?), hieß ihn zeitweilig den seinen, und nicht Thomas, sondern den Kameraden von Vicksburg McPherson mit 25.000 Soldaten geschickt. Auch sie hätten gereicht, wenn McPherson nicht kalte Füße bekommen hätte. Nachdem McPherson durch den Paß ohne Widerstand gekommen war, fand er sich vor Resca um ein paar km weg von der Eisenbahn. Dazwischen lagen die befestigten Stellungen von weniger als 4000 Konföderierten. Als das ihm klar wurde, zog sich McPherson nach dem Paß zurück, um auf Verstärkungen zu warten. Nachdem Sherman eine kostspielige und leer ausgehende Frontaldemonstration gegen Johnston gemacht hatte, schickte er McPherson Verstärkung auch, sogar sehr viel, aber dann war es zu spät. Johnston merkte seine Gefahr und zog sich vorsorglich aus der Falle und gewährte dadurch der Konföderation noch ein Jahr Bestehens.

Die Befehle Shermans an McPherson waren ziemlich eindeutig gewesen. Nachher machte sie Sherman noch eindeutiger auf der Suche nach dem Schuldigen. Ist es möglich, daß Thomas' ursprünglicher Plan, wenn erfolgreich, den Thomas allzu sehr für den Geschmack Grants hätte hervorheben können? Sherman hat seine Verluste vor Rocky Face Ridge vor Dalton nicht gemeldet.

2) Am 13. Mai 64 hat Sherman den Johnston bei Resaca "getastet", aber Johnston war durch Polk verstärkt worden, wodurch seine Truppenzahl auf etwa 60.000 gestiegen war. Nun hatte Sherman nur das zweifache Personal und etwas mehr zu seiner Verfügung. Am folgenden Tag kam es zu einem Generalengagement (und Hooker hat dabei Gutes geleistet), aber die Konföderierten hielten. Zwar zeigten sie eine Schwäche am rechten Flügel, aber Sherman nutzte sie nicht aus. Noch eine Chance verpaßt. Am 15. begann Sherman eine große Flankenbewegung in Richtung Eisenbahnlinie, aber Johnston zog sich nach Befestigungen vor Cassville zurück. Geschätzte Verluste: 5.547 (US 2.747; CS 2.800).

2 ½) Während des Zusammenstoßes bei New Hope Church (Dallas, Ga.) 25-26 Mai 64 versuchte Sherman die Berge zu vermeiden und die Eisenbahnlinie in Marietta direkt anzufallen, aber ohne Erfolg. Sherman hatte nämlich irrtümlicherweise angenommen, daß ein Teil der konföderierten Stellungen, später das "Höllenloch" gennant, schwach besetzt war und schickte die Divisionen von Hooker dagegen. Hooker wurde abgeschlagen, und nachher rügte ihn Sherman, daß er verspätet angegriffen hätte. Geschätzte Verluste: US 1600, CS unbekannt. Johnston zog sich in die Befestigungen vor und auf Kennesaw Mountain zurück.

3) Es war einmal am 27. Juni 1864 eine Schlacht recht im Sinne Shermans. Er war nach wochenlangem Regen und nicht auszuhaltendem Steckenbleiben niedergeschlagen und unsicher geworden. Er fand die Lösung nicht, die er doch ein paar Tage später finden würde, und er befahl einen Frontalangriff gegen die Befestigungen vor Kennesaw Mountain. Schlimmer noch, er ließ hauptsächlich Thomas diesen Angriff ausführen, der so etwas in seiner Laufbahn bis dann nie gemacht hatte. Vorher hatte Sherman Briefe an Grant geschickt, worin er über seinen “Freund” Thomas wegen vermeintlicher Langsamkeit herfiel. Alles nicht ernst gemeint, schreiben die Sherman-Verehrer. Aber niemand schreibt, wie dem Thomas zumute gewesen sein mußte, während er zusah, wie seine Männer verheizt wurden. Der nutzlose Angriff war eine kostspielige Niederlage für die Union. Verluste: 4.000 (US 3.000; CS 1.000).

In seinem Schlachtbericht hat sich Sherman dazu folgendermaßen geäußert:

"Damit ein Armee schlagkräftig sein soll, darf sie sich nicht auf einzige Offensivart festlegen, sondern muß dazu fähig sein, jeden Plan auszuführen, der Erfolg verspricht. Deshalb wollte ich, um der moralischen Wirkung willen, die Befestigungen des Feindes durchbrechen, und ich beschloß den Punkt anzugreifen, wo der Erfolg uns die größten Ergebnisse gebracht hätten."

Mit anderen Worten, Sherman gab den Ball den Mittelstürmern, um zu zeigen, daß er auch das konnte. Nur konnte er es nicht, und Menschen starben. Keine andere Passage von Shermans Schriften, und es gibt darunter viel Derartiges, zeigt so klar seinen moralischen Bankrott.

Etliche Autoren haben darüber gerätselt, warum sich Sherman auf so etwas einließ, da jeder Frontalangriff seiner Laufbahn fehlschlug. McKinney schreibt: "Es ist möglich, daß Sherman aus Eifersucht gegen Thomas so handelte." Ich gehe jedoch davon aus, daß Sherman dabei nichts Selbständiges unternahm und nur das tat, was Grant ihm auferlegte. Es gibt nur eins, das bei dieser Schlacht unwiderlegbar gezeigt wurde - nämlich wer in Georgia Sommer 1864 nicht der Chef war.

4) Am 4-9 Juli 63 flankerte Sherman Johnstons Position am Chattahoochie-Fluß, und Johnston zog sich nach Atlanta und seiner Ablösung durch Hood zurück. Und die Belagerung von Atlanta began.


10. Die Schlachten um Atlanta 20 Juli - 1 Sept.

Der Gegenstand dieser Zusammenfassung ist eigentlich langweilig. Die Armee von Hood war viel kleiner als die von Sherman, und Hood wurde bei jedem Angriff durch einen Teil von Shermans Armee zurückgeschlagen. Die andauernd unverhältnismäßig hohen Verluste, die Hood jedes Mal dabei erlitt, zeigen die Nutzlosigkeit seiner Unternehmen, zeigen auch die Götterdämmerung-Psychose, die über jeden Verlierer gegen das Ende eines Krieges kommt. Die Tatsache, daß Sherman seine Streitkräfte zerstreute, obwohl er hat wissen müssen, daß ihn Hood auf jeden Fall anfallen würde, weil sein Mandat von Richmond ausdrücklich so lautete, macht das Ganze noch peinlicher. Da der Ausgang so sicher war, daß nicht einmal geistlose Führung des Siegers das ändern konnte, brauchen wir uns nicht lange darüber aufzuhalten. Also fasse ich mich kurz. Die 4 größeren Zusammenstöße während der Belagerung von Atlanta waren: a) Peachtree Creek 20 Juli; b) Schlacht von Atlanta 22 July; c) Ezra Church 28 Juli; d) Jonesboro 31 Aug -1 Sept.

a. Peachtree Creek - Nachdem J. Johnston wieder durch Flankierung von seinen Stellungen am Chattahoochie-Fluß vertrieben wurde, zog er sich hinter Peachtree Creek, einen kleinen Fluß etwa 5 km nördlich von Atlanta, zurück. Die 3 Kolonnen Shermans waren getrennt, und die größte davon unter Thomas bewog sich auf Atlanta aus dem Norden zu. Johnston hatte sich schon vorgenommen, Thomas anzugreifen, aber am 17. Juli hat Davis ihn durch Hood ersetzt, wobei der private Briefaustausch kurz zuvor zwischen Hood und Davis vielleicht eine Rolle gespielt haben mag. In diesen Breifen hat Hood die Meinung vertreten, daß sein Vorgesetzter Johnston das Vertrauen seiner Generäle nicht mehr besaß. Damit kam er dem Davis sowieso entgegen, da sich Davis und Johnston seit Kreigsbeginn wegen des Datums seiner Ernennung zum General befehdeten. Also, am 20. Juli griff Hoods Armee (mit Knaben und Greisen darunter) Thomas an, während die Armee von Thomas im Begriff war, Peachtree Creek zu überqueren. Hooker hat an dem Tag Gutes für Thomas geleistet, wobei Thomas persönlich die Artillerie leitete. Die Konföderierten waren in der leichten Überzahl, wurden aber mit hohen Verlusten abgeschlagen. Wenn ich ein konföderierter General gewesen wäre, hätte ich Thomas wie die Pest vermieden. Geschätzte Verluste: 6.506 (US 1.710; CS 4.796)

b. Am 22. Juli erfolgte, was die Schlacht von Atlanta oder Hoods zweiter Ausfall genannt wird, diesmal gegen die kleinere Teilarmee von McPherson. Hood schickte Hardee auf einem 25 km langem Marsch um die ungeschützte linke Flanke von McPherson im Osten der Stadt herum. Auch dieses Mal, trotz einer bedeutenden Überzahl und eines Durchbruchs von Cheatham, verloren die Konföderierten. Wieder war die Unionsartillerie entscheidend, wobei McPherson sich während der Schlacht verirrte und niedergeschossen wurde. Geschätzte Verluste 12.140 (US 3.641; CS 8.499).

c. Bei der Schlacht von Ezra Church am 28. July 64 sollte Howard die Eisenbahnlinie westlich von Atlanta abschneiden, und Hood zog von Atlanta aus, um zu verhindern. Howards Armee lag hinter Befestigungen, und wieder erlitt Hood hohe Verluste, wobei es Howard vorübergehend nicht gelang, die Eisenbahnlinie einzunehmen. Geschätzte Verluste: 3.562 total (US 562; CS 3.000).

d. Bei der beiderseits lustlos geführten Schlacht von Jonesboro (südlich von Atlanta) von 31 Aug. bis 1 Sept. 64 war es diesmal Hardee, der mit 2 Korps den Kampf mit 6 Korps von Sherman aufnehmen sollte. Sherman vermied weitgehend das Gefecht. Thomas hatte einen Plan vorgeschlagen, um Hardee zu umzingeln, aber Sherman wollte nur Atlantas letzte Eisenbahnverbindung abschneiden, tat das auch, und ließ Hardee laufen. Geschätzte Verluste: 3149 (US 1149; CS 2000). Am 1. Sept. räumte Hood Atlanta, und am 2. Sept. 64 rückte Sherman ein und schickte ein Telegramm an Lincoln. Darauf ertönte überall im Norden Glockengeläut, und Lincolns Wiederwahl war gesichert. Thomas hat Jonesboro folgendermaßen in seinem Bericht zusammenfaßt: "Die Föderalen besetzen Atlanta, Georgia. Sherman zieht seine Streitkräfte nach Atlanta zurück, anstatt die Armee von Tennessee anzugreifen oder auseinanderzutreiben. Er erlaubt es Hood, seine Armee wieder aufzupäppeln."


11. Die Schlachten von Franklin (30 Nov. 64) und Nashville (15-16 Dez. 64)

Nach den Schlachten für Atlanta hat Hood Shermans Eisenbahnverbindungen nach Chattanooga bedroht. Sherman hat ihn dann fast bis Chattannooga verfolgt, aber er konnte Hood nicht einholen, gab also auf und kehrte nach Atlanta zurück. Während Hood in Alabama seine Armee wieder auf die Höhe brachte, machte Sherman Pläne, die Kriegführung des 20. Jahrhunderts gegen Zivilisten vorzuspielen und dabei Georgia zum Schreien zu bringen. Er teilte seine Streitkräfte, behielt aber den besseren Teil und schickte die weniger tauglichen und bald auszuscheidenden Truppen zurück an Thomas, nunmehr in Nashville. Es stimmt, daß Thomas mindesten das 4. Korps als Kern behalten durfte, aber auf sein bevorzugtes 14. Korps mußte er verzichten. Sherman wünschten dann Hood  förmlichen Hals und Beinbruch bei seinem Vohaben, den Ohio-Fluß zu erreichen.

Hoods "lean and mean" (magere und boshafte) Armee, zusammen mit Forrest, überquerte den Tennessee-Fluß am 17. Nov. 64. Zuerst war seine Vorstoßrichtung Thomas nicht klar, also mußte Thomas seine Streitkräfte in kleineren, anfechtbaren Einheiten verteilen, die dann als ein 50-Meilen breites Pickett-System fungieren sollten. Thomas hat sie mittels seines Telegraphennetzes koordiniert - an sich eine bahnbrechende militärische Entwicklung. Schofield mit der größten Einheit, etwa 20.000 Soldaten, sollte Hood aufhalten, ohne jedoch in eine große Schlacht verwickelt zu werden. Schofield richtete sich also in Columbia nördlich des Duck-Flusses ein. In einem guten Schachzug hielt ihn Hood dort, während er seine Truppen über den Fluß und um Schofields Linke schickte. Die Unionskavallerie unter Wilson hat erstens diese Bewegung an Schofield berichtet, zweitens hat Thomas Schofield früh morgens am 29. Nov. direkt befohlen, sich nach Franklin im Norden zurückzuziehen, aber Schofield zögerte mehr als 12 Stunden, diesen Befehl auszuführen. Vielleicht meinte er, Hood allein schlagen zu können. Man muß sich dabei vergegenwärtigen, daß Schofield durch Grant dem Thomas als "Stellvertreter" aufgehalst wurde. Auf jeden Fall saß Hood auf einmal zwischen Schofield und Franklin bzw. Nashville. Das Verhalten Schofields bei dieser Gelegenheit und während der darauf folgenden 2 Wochen ist schwer zu erklären, es sei denn, man geht davon aus, er hoffte, Thomas als Vorgesetzten zu verdrängen.

Aber vorerst mußte Schofield sich etwas einfallen lassen, wenn seine Armee zwischen Hood und Forrest nicht aufgerieben werden sollte. Zum Glück half dann Hood nach. Während Schofield nämlich einen nächtlichen Zwangsmarsch nach Spring Hill (kurz vor Franklin) an den in Sichtweite liegenden Lagerfeuern der Konföderierten vorbei machte, schlief Hood so fest, daß man ihn nicht wachrütteln konnte, und man wagte es nicht, ohne seine Zustimmung etwas zu unternehmen. Die meisten Kommentatoren führen das auf die Opiate zurück, die er wegen seiner Verwundungen (verkrüppelter Arm, amputiertes Bein) einnahm. Als Hood dann am Morgen des 30. aufwachte und entdeckte, daß Schofield an ihm vorbeigekommen war, hat er gegen seine Generäle getobt und auf sie die ganze Schuld geschoben. Gegen Nachmittag holte er Schofield ein, der sich in Franklin befestigt hatte. Von 4  bis 10 Uhr ließ Hood Frontalangriffe ohne jegliche Aufklärung oder Artillerie-Unterstützung ausführen, um seinen Untergebenen die Schlaffheit auszutreiben, schreibt man. Zu Gettysburg hatte Lee am 3. Juli genug Verstand, um den Angriff nach einem einizigen Versuch abzublasen und die eigene Schuld für das Mißlingen zu bekennen. Zu Franklin dagegen ließ Hood seine Leute 6 Stunden lang anlaufen. 25% seiner Armee fiel an dem Abend aus, einschließlich 6 tote Generäle, darunter der in Irland geborene Patrick Cleburne, der vielleicht der beste Schlachtkommandeur der ganzen Konföderation gewesen ist. Die Verluste waren etwa 2300 für die Union, etwa 6200 für die Konföderierten. An dem Abend gelang es Schofield, Franklin unbehelligt zu räumen und sich nach Norden zurückziehen. Daraufhin meldete Hood der Regierung zu Richmond den Sieg an mit...allerdings...einigen Verlusten. Eine Fußnote: Zum Osten des Städchens gab es einen Zusammenstoß zwischen Bedford Forrest und der Unionskavallerie unter Wilson, der unentschieden ausging. Später zu Selma sollte Wilson den legendären Forrest schlagen.

Nach solchen Verlusten war Hood, als er am nächsten Tag vor Nashville ankam, nicht mehr imstande, Thomas anzugreigfen. Deshalb richtete er sich auf das Warten ein, da die Stadtbefestigungen von Nashville unter den ausgebautesten im ganzen Krieg waren. Er konnte nur auf Verstärkungen hoffen, die nicht kamen, oder auf neue Rekruten, die ihm davon flüchteten, oder auf eine verfrühte Attacke seitens Thomas, die doch geschehen wäre, wenn Grant sich hätte durchsetzen können. Hood war so weit gekommen, konnte jedoch nicht weiter, und konnte auch nicht zurück. Wie er Jahre später in seinen Memoiren “Attack and Retreat”  (Attacke und Rückzug) schrieb: "Ich glaubte, die Truppen wären davon zufriedener weggekommen, sogar nach einer Niederlage, wenn sie beim Versuch, den letzten Strohhalm zu erhaschen, das Gefühl hatten, eine mutige und entschlossene Anstrengung gemacht, um das Vaterland vor dem Desaster zu retten." So eine Aussage bedarf keines Kommentars.

Also wartete er, und die Parties in der Villa, die er bezogen hatte, rissen nicht ab. Er schickte sogar Forrest weg, um Murfreesboro einzunehmen, eine Entscheidung, die fast allen Kommentatoren Mühe bereitet, während dem Thomas ständig Verstärkungen zuflossen - Miliz, kommissarisches Personal, Garnisonssoldaten, die Volontären unter A.J. Smith aus dem Transmississippi, und eine schnell zusammengeworfene Division unter Steedman mit 2 farbigen Brigaden daraunter.

Das Blatt für Thomas wendete sich, aber er hatte immer noch einige Probleme. Er wollte Hoods Armee endgültig schlagen, nicht nur eine der des Bürgerkieges zahllosen, nichts oder wenig entscheidenen Schlachten führen. Dafür brauchte er Pferde, um die Kavallerie des "Knabenwunders" James H. Wilson, zu Chattanooga Stabsoffizier unter Grant, nun Major-General, auszurüsten. Ohne eine leistungsfähige Kavallerie konnte es keine Verfolgung und deshalb keinen entscheidenden Ausgang geben. Leider waren gesunde Pferde rar gweorden,  und man mußte in großen Strecken von Tennessee die Pferde von Zivilisten einziehen. Sogar der Unionsgouveneur Johnson von Tennesse (späterer Präsident der USA) steuerte seine Kutschpferde bei. Ein anderes Problem war das Wetter, das in einen 5-tägigen Eissturm ausartete und erst am 14. Dez. nachließ.

Das schlimmste Problem war Grant selbst. Schon am 2. Dez. begann er eine Telegramm-Kampagne, um Thomas zu zwingen, Hood sofort anzugreifen. Grant wurde darin durch den ehrgeizigen Schofield sekundiert, der falsche Berichte über Thomas' fehlende Initiative und Unzufriedenheit unter Thomas' Offizieren direkt an Grant schickte. Der große Unzufriedene zu Nashville war Schofield, der Thomas ersetzen wollte. Das war im Sinne Grants, der Hoods Armee um jeden Preis schädigen wollte, damit keine Schuld auf ihn fallen sollte, weil er der ungleichen Zerteilung von Shermans Armee zugestimmt hatte. Ferner wollte Grant nicht, daß Thomas noch einen großen Sieg erringen sollte, der den Ruf Thomas' weiter steigern könnte. Zum Schluß, wenn Grant durch Druck den Thomas dazu bringen konnte, selber zu demissionieren, oder wenn er Stanton, Halleck oder Lincoln dazu bringen konnte, Thomas abzusetzen (Grant wollte immer, daß andere solche Entscheidungen trafen), dann um so besser. Diese Tätigkeit diente auch dazu, vom eigenen fehlenden Fortschritt in der Belagerung von Petersburg abzulenken.
Leider ging seine Rechnung nicht ganz auf. Am Abend des 15. Dez., just bevor Grant nach Nashville abfahren wollte, um seine Lage dort selber zu retten, fingen die Telegramme anzukommen. Thomas hatte angegriffen und Hoods Linie um ein paar Kilometer zurückgedrängt, ein anderer Angriff soll am folgenden Tag ausgeführt werden. Also fuhr Grant nicht, sondern fing an, die Geschichte auch dieser Schlacht umzuschreiben.

Zurück zum militärischen Teil der Schlacht. Am 15. Dez. fuhr die Kavallerie von Wilson mit 9000 Berittenen aus, während Wood und Smith den linken Flügel von Hood angriffen. Schofield wurde wohlweislich in der Reserve gehalten. Der sekundäre Angriff mit der Division von Steedman (darunter die 2 farbigen Brigaden) auf den anderen Flügel sollte die Aufmerksamkeit der Konföderierten ablenken. Und sie lenkte wirklich ab. Die berühmten Schocktruppen von Cheatham, unter Cleburne bis er vor Franklein starb, kämpften so verbissen gegen die Farbigen, daß sie die Geschnisse am andere Flügel, wo Thomas mit etwa 30.000 Soldaten anfiel, aus dem Auge verloren. An dem Abend zog sich Hood um 3 km nach verkürzten Stellungen zurück und versetzte Cheathams Korp nach seinem linken Flügel, um den nunmehr sich offenbarenden Hauptschlag abzuwehren.

Am nächsten Morgen fuhren Wilsons abzusteigenden Berittenen um Hoods linke Flanke. Sie waren mit dem Spencer Magazingewehr ausgerüstet, hatten also die Feurkraft eines ganzen herkömmlichen Korps. Einmal hinter Hood und fest auf einem seiner 2 Fluchtwege, stiegen sie ab und griff von hinten an, während die Angriffe auf die beiden Flügel und nun die Mitte von vorne losgingen. Trotz direkter Mahnungen von Thomas zögerte Schofield wieder, und seine eigenen Einheiten gingen los, ohne Befehle abzuwarten. Alles in allem wurde es für Hood höllisch, und seine Armee zerfiel und flüchtete auf der einen übrig bleibenden Straßen nach Süden. Auch die Straße hätte ihnen vielleicht gefehlt, wenn Schofield gemäß Befehl energisch mitgemacht hätte.

Von etwa 50.000 Effektiven hatte Thomas an den 2 Tagen 3000 Verluste. Von etwa 23.000 Effektiven hatte Hood 3000 Verluste, darunter Tausende von Gefangenen und Deserteuren (die praktisch schon zu Hause waren).
Trozt ekelhaften Wetters verfolgte Thomas die Reste der Army of Tennessee während eines ganzen Monats, in der Tat für mehr als 300 km. Es war die längste Verfolgung des ganzen Bürgerkrieges und reichte bis nach Mississippi. Dort kam Hood mit etwa 13.000 Soldaten an, von denen sich etwa 5000 bei Johnston für die traurige Affäre zu Bentonville, N.C. meldeten. Das war das einzige Mal in diesem Kriege, es sei denn, es sei denn, man rechnet Mill Springs mit, daß eine Armee auf offenem Feld vernichtet wurde.

Am 30. Dez. wurde Thomas zu Major-General der regulären Armee ernannt, jedoch komischerweise mit ein paar Tagen Verzögerung, damit das Datum der Beförderung anderer Kollegen vor dem seinen lag.

Hinterher behaupteten Grant, Sherman, Schofield und Halleck, daß Thomas im Angriff zu langsam und bei der Verfolgung nicht entschlossen genug war. Er soll "zu mutig um wegzulaufen, zu langsam um anzugreifen" gewesen sein. Das ist nur eine kleine Kostprobe von der Rufmordkampagne, die Grant zeit seines Lebens gegen Thomas führte. Aber langsam kommt die Wahrheit an den Tag.

Wer Detaillierteres über diese Schlacht lesen möchte, kann meine Artikel "George H. Thomas - Practitioner of Emancipation" lesen.


12. Wilsons Einfall nach Selma 22 März - 22 April 65

James H. Wilson (1837-1925) verließ West Point 1860 als Ingenieur des Genies. Er war eins der "Knabenwunder", die der Bürgerkrieg hervorbrachte, und er stieg bis zu Major-General am Kriegsende auf. Er verbrachte einen großen Teil des Krieges als Mitglied von Grants Stab. Obwohl ohne vorherige Erfahrung mit Kavallerie wurde er 17 Feb. 64 erwählt, um die neu eingerichtete Kavallerie-Abteilung in Washington zu leiten. Er rüstete die Kavallerie mit dem nunmehr erprobten Spencer Magazingewehr aus, das Wilder in Tullahoma und Chickamauga so schlagkräftig gemacht hat. Daraufhin kommandierte er bei verschiedenen Kavalleriezusammenstößen in Virginia und Tennessee, wo er den Beruf durch die Praxis so gut erlernte, daß er später als einziger Kavallerieanführer der Union dem berühmten Bedford Forrest Paroli anbieten konnte. Seine Rolle in der Schlacht von Nashville war ausschlagend für den Erfolg des Planes von Thomas, Hoods Army of Tennessee von weiterer Beteiligung am Krieg auszuschalten.

Nach der Schlacht von Nashville blieb er dem Thomas unterstellt und führte einen großangelegten Einfall durch das Innere des Südens nach Selma, Ala. (22 März - 22 April 65) aus. Dabei eroberte er 5 befestigte Städte, nahm 288 Kanonen und 6.820 Gefangene, und führte auch persönlich Anfälle seiner Berittenen, die die Verteidungungswerke von Selma als Fußvolk angriffen, nachdem Forrest in die Stadt getrieben wurde. Dies war das erste Mal, daß jemand sich schneller und geschickter als Forrest bewegte, dessen Armee zugegebenermaßen nicht mehr dieselbe war wie früher. Auf jeden Fall, es war nur eine Frage der Zeit bis die Union den athletischen West Point Bauingenieur fand, der große Truppenmassen führen, sich einem Vorgesetzten unterstellen, und ein Pferd reiten konnte. Die barbarischen Ausschreitungen von Shermans Marsch zum See und nach Goldsboro, NC, wurden unter dem Kommando von Wilson und Thomas weitgehend unterbunden.

Als Teil dieser gleichen Operation schickte Thomas auch Stoneman auf einen Kavallerieeinfal durch East Tennessee und den westlichen Teil von Virginia und North Carolina, um jeden Fluchtversuch von Lees Armee ins Gebirge abzuschneiden. Nach den Aufgaben von Lee und J. Johnston hat Stoneman dann geholfen, Davis' Versuch über den Mississippi-Fluß zu entkommen, vereitelt und ihn dann in die Maschen von Wilson in Georgia getrieben. Mit der Hilfe von Thomas' weit verstreutem Geheimdienst hat Wilson dann Davis gestellt und am 10. Mai 1865 gefangengenommen. Lincoln hatte gehofft, Davis würde entkommen, aber abgesehen von 2 Jahren Gefangenschaft unter verschiedentlich unwürdigen Umständen durfte er den Rest seines Lebens unbehelligt und in gemäßigtem Wohlstand verbringen.

Mit dem Ende des organisierten Widerstandes und mit der Gefangennahme von Davis lagen weite Strecken des Südens im Befehlsbereich von Thomas, wobei er sofort mit der Rekonstruktion im Sinne von Lincoln begann. Diese Situation wurde dann durch President Johnson formalisiert, indem er Thomas zum Militärgouverneur von Mississippi, Alabama, Georgia, Kentucky, und Tennessee mit Hauptquartier in Nashville ernannte. Bei der Rekonstruktion zeigte sich Thomas genauso aufgeklärt, als während der Rebellion, wie er nie aufhörte, den Bürgerkrieg zu bezeichnen. Daß ausgerechnet dieser Mann ein Südstaatler war, gehört zu den Mysterien des US-Bürgerkrieges.
 
 


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